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Allgemeine Informationen

Nicht jede behinderte Nasenatmung bedarf einer operativen Behandlung. Im Gegenteil: häufig besteht eine asthmaähnliche, entzündliche Schleimhautverdickung. Diese führt zu verstärkter Mundatmung, Belastung der Lunge, zunehmender Verschleimung und gehäuften Nasennebenhöhlen-und Ohrproblemen, da die Belüftungswege verstopfen. Dieses Krankheitsbild ist durch eine endoskopische, harmlose Untersuchung leicht feststellbar. Es lässt sich mit lokal wirksamen, gut verträglichen Cortisonsprays behandeln, ähnlich wie das Asthma bronchiale eine Etage tiefer.

 

Nicht selten liegt aber ein mechanisches Atemhindernis vor. Insbesondere eine verbogene und/oder breite Nasenscheidewand benötigen dann eine Nasenscheidewandkorrektur, eine sogenannte Septumplastik. Diese muss häufig mit einer Verkleinerung und Verlagerung der Schwellkörper in der Nase, der Nasenmuscheln, kombiniert werden. Das ist sicherlich der häufigste HNO-ärztliche Eingriff – bei gegebener Notwendigkeit definitiv zumutbar und meist erfolgversprechend.

 

Geht es um Korrekturen der äußeren Nase (Rhinoplastiken), dann bedarf das einer genauen Analyse und Beratung, da jeder Patient unterschiedliche Voraussetzungen und unterschiedliche Erwartungen mitbringt. Größe und Form der Nase müssen individuell mit dem Gesicht und dem Profil des Patienten abgestimmt werden. Nasenplastiken sind in der Lage, eine besondere Veränderung des gesamten Gesichtsausdruckes zu bewirken und das Aussehen grundsätzlich zu beeinflussen. Eine Typveränderung ist eher selten das Ziel solcher Operationen, kann in Einzelfällen aber durchaus erwünscht sein. Neben diesen ästhetischen Gesichtspunkten spielen gerade bei Nasenoperationen aber auch funktionelle Erwägungen eine große Rolle. Insbesondere die Nasenatmungsbehinderung und Nasennebenhöhlenerkrankungen müssen berücksichtigt werden.

Das Gelingen einer Rhinoplastik hängt von vielen Dingen ab, die in den meisten Fällen der Operateur selber zu verantworten hat. Die Messlatte sollte immer die Zufriedenheit des Patienten sein. Sind die Ansprüche des Patienten unrealistisch, so ist es Aufgabe des Operateurs, dieses möglichst zu erkennen und entweder die Erwartungen des Patienten zurechtzurücken oder die Operation abzulehnen.
Schwierig ist, dass es für viele Ausgangssituationen oft mehrere mögliche Vorgehensweisen gibt. So muß beispielsweise ein zu hoher Nasenrücken nicht immer abgesenkt werden, vielmehr kann ein Aufbau der Nasenspitze auch einmal die bessere Lösung sein. Eine mögliche dritte Lösung wäre eventuell auch eine Kombination von Absenken des Nasenrückens und Aufbau der Nasenspitze.
Auch wenn es für die Rhinoplastik im Einzelfall keine festen, gesetzmäßigen Standards gibt, so sollte man sich doch gewisse Zielvorgaben und Regeln zu eigen machen. Diese hängen natürlich von den Vorgaben ab und werden daher im Folgenden unter den unterschiedlichen Nasentypen abgehandelt. Ein Gespräch über die äußere Nase bedeutet somit immer ein Strategiespiel. Man muss sich die Frage stellen, welche Nase „passt“. Was hat der Patient für ein Profil, was hat der Patient für ein Kinn, was für einen Augenabstand. Bei kurzem, fliehendem Kinn beispielsweise macht es Sinn, dass die Nase eher klein und zierlich ist. Es geht auch darum, was für Vorstellungen hat der Patient, welche Vorstellung hat der Arzt. Hat man sich da abgesprochen und Unklarheiten beseitigt?

In diesem Zusammenhang macht auch eine Simulation eines Fotos, vor allem was das Profilfoto angeht, immer Sinn. Dann sind zumindest Unsicherheiten im Hinblick auf das Operationsziel weitgehend beseitigt. Eine Simulation heißt aber nicht, dass das Ergebnis hinterher genauso ausfällt. Im Gegenteil, das Ergebnis wird immer von der Simulation abweichen.

Ein ganz entscheidender Punkt ist bei jeder Rhinoplastik das Nasenprofil. Die anatomischen Landmarken sind der nasolabiale Winkel, der Nasensteg (Columella), die Nasenspitze, der Nasenrücken und als obere Begrenzung des Nasenrückens die Einsattelung unterhalb der Augenbrauenlinie das Subnasion. Das Gelingen der Operation hängt oft maßgeblich davon ab, ob die Nasenspitze – das gilt insbesondere für Frauen – umschrieben ist und bereits direkt oberhalb der Spitze, der sog. Supratipregion, die Höhe des Nasenrückens aufnimmt. Zieht die Spitze dagegen in einem hohen Bogen in den Nasenrücken nach oben, so wird sie oft als dick und unförmig empfunden, der Nasenrücken als zu kurz. Eine professionelle Beurteilung des postoperativen Ergebnisses nach Rhinoplastiken erfordert daher immer eine genaue Analyse dieses Zusammenspiels von Nasenspitze und Nasenrücken im Bereich der Supratipregion. Andere Zielvorgaben sind beispielsweise ein glatter Nasenrücken sowie eine nur minimal durchhängende Columella. Eine gerade oder in der Seitenansicht durch die Flügelknorpel verdeckte, nicht sichtbare Columella (sog. Hidden Columella) ist auffällig und nicht natürlich. Im Detail wird aber jeder für sich die genaue Umsetzung dieser Regeln unterschiedlich bewerten.
Es existieren darüber hinaus genaue Vermessungen des Gesichtes (sog. Anthropometrie) mit Angaben von Wegstrecken, Winkeln und Proportionen, getrennt nach den unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Sie sind für die Rhinoplastik im Einzelfall aber selten hilfreich. Allenfalls der nasolabiale Winkel zwischen Nasensteg und Oberlippe hat eine herausgehobene Bedeutung und sollte bei Frauen bei 90° und größer liegen.

Die Rhinoplastik – eine leichte Operation?

Im Gegenteil, Nasenkorrekturen stellen im Detail relativ schwierige Operationen dar:

  1. Jede Operation muss ganz individuell und genau gemeinschaftlich mit dem Patienten geplant werden. Ein immer gleiches, einheitliches Vorgehen wird den unterschiedlichen Ansprüchen eines Patienten nicht gerecht.
  2. Es gibt eine große Zahl von unterschiedlichen und anspruchsvollen Operationstechniken, die der Nasenchirurg alle beherrschen sollte und auch miteinander kombinieren können muss.
  3. Nicht nur der Patient, auch der Arzt hat gewisse ästhetische Vorstellungen. Beide sollten sich daher anhand einer Simulation genau kennenlernen; der eine sollte wissen, was der andere jeweils plant.
  4. Die meisten Patienten wünschen eine zierlichere Nase. Bei kleinerer Nase verringert sich jedoch auch ihr Gesamtquerschnitt. Bei kleinerem Querschnitt bekommt der Patient in der Regel schlechter Luft, die Nasenatmung ist durch die Rhinoplastik als solche also eher behindert. Es müssen daher Maßnahmen ergriffen werden, die dafür Sorge tragen, dass die Nasenatmung nicht schlechter, sondern eher besser wird.
  5. Der bedeckende Hautmantel im Bereich des Nasenrückens ist gerade bei Frauen oft relativ dünn und verzeiht keine Unregelmäßigkeiten, Kanten oder Asymmetrien. Eine sehr dicke Haut dagegen bedingt wieder andere Probleme.
  6. Nasenoperationen stellen immer ein dreidimensionales Geschehen dar. So ist beispielsweise eine Verschmälerung der Nasenspitze nicht möglich ohne eine gewisse gleichzeitige Veränderung des Profils.
  7. Man darf nicht davon ausgehen, dass geringfügige Formveränderungen immer viel einfacher und erfolgversprechender sind als Operationen bei ausgeprägten Veränderungen. Gerade relativ „normale“ Nasen besser zu machen, ist immer schwierig und es ist einfach, eine solche Ausgangssituation schlechter zu machen als präoperativ. Hier stehen Nutzen und Risiko oft in keinem günstigen Verhältnis.
  8. Das Ergebnis einer Operation der äußeren Nase lässt sich nie genau vorhersagen. Hier gibt es immer eine gewisse Unschärfe. Man kann sogar soweit gehen, zu behaupten, dass das Ergebnis nie perfekt wird! Man sollte also immer über Kleinigkeiten, die nicht perfekt sind, hinwegblicken können. Dabei geht es auch um Dinge, die von Außenstehenden erkennbar sind. Wenn man dagegen sehr perfektionistisch ist und sich mit Unvollkommenheiten nicht arrangieren kann, sollte man sich keine Nasenkorrektur zumuten.

 

Postoperative Veränderungen sind ein großes Problem bei Rhinoplastiken. Das ästhetische Ergebnis kann sich über Monate hinweg etwas verändern, gelegentlich sogar noch nach ein bis vier Jahren, und das endgültige Ergebnis kann daher nie genau vorhergesagt werden. Somit müssen präoperativ angefertigte Computersimulationen mit Hilfe der digitalen Bildbearbeitung, so sehr sie verständlicherweise vom Patienten gewünscht werden, mit einer gewissen Zurückhaltung beurteilt werden. Sie stellen immer nur eine Näherung an die Wirklichkeit dar! Ihr wesentlicher Vorteil besteht darin, dass sich Arzt und Patient im Vorfeld der Operation gegenseitig über das Operationsziel konkret abgesprochen haben.

Als Operationstechnik kommt immer seltener die sog. geschlossene Technik zur Anwendung. Es wird dabei ausschließlich durch die Nasenlöcher operiert, sichtbare Narben gibt es bei dieser Technik nicht. Für die Konturierung der Nasenspitze und der Flügelknorpel wird dann besonders die Luxationsmethode verwendet. Dabei wird über zwei Schnitte der Flügelknorpel herausgedreht und kann dann relativ übersichtlich bearbeitet werden.

Die meisten Nasenchirurgen operieren aber mit der offenen Technik, bei der über einen kleinen Schnitt am Nasensteg, der dann nach innen zieht, die Haut hochgeschlagen werden kann. Dieses Vorgehen ermöglicht durch die überragende Übersicht ein hohes Maß an Symmetrie sowie Techniken, die sonst nicht möglich wären.

Osteotomien nennt man die Knochenbrüche. Sie erfolgen üblicherweise mit Osteotomen, die beidseitig schräg geschliffen sind, oder mit Meißeln, die einseitig schräg geschliffen sind. Zur Verfügung stehen mittlerweile Piezotome, die ein hochpräzises Schneiden und Bearbeiten des Knochens ermöglichen, ohne dass es dabei zur Splitterbildung oder zu unkontrollierten Bruchstellen an Sollbruchstellen kommen kann.

 

Die Nasenscheidewand wird bei fast jeder Rhinoplastik mitkorrigiert und ausgedünnt, man spricht dann von einer Septorhinoplastik. Auch die Schwellkörper werden meistens verkleinert und verlagert, so daß eine Verbesserung der Nasenatmung resultiert. Eine endoskopische Nasennebenhöhlenoperation kann gelegentlich notwendig sein und mit einer Septorhinoplastik kombiniert werden. Zur genauen Beurteilung des Naseninneren und der Nasennebenhöhlen ist präoperativ immer eine sorgfältige Nasenendoskopie vorzunehmen. Bei einer gleichzeitigen Nasennebenhöhlenoperation ist eine Computertomographie zwingende Voraussetzung.

 

Nasenchirurgie erlolgt meistens in Vollnarkose und im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes. Oft ist die Nase für eine Nacht von innen mit einer lockeren, nicht festklebenden Tamponade versehen. Das Entfernen einer solchen Tamponade ist nicht schmerzhaft. Für ca. acht Tage wird der Nasenrücken durch einen Gips oder nur einen Tapeverband geschützt.

 

Komplikationen sind in jeder erdenklichen Art möglich, treten bei Rhinoplastiken aber eher selten auf. Nachblutungen oder Infektionen können vorkommen, sind jedoch die Ausnahme. Die üblichen Befürchtungen, die den Patienten vor einer geplanten Nasenkorrektur beschäftigen, sind von untergeordneter Bedeutung: Bei gewebeschonender Operationstechnik und geeigneter, lockerer Tamponade ist die Nasenoperation keine schmerzhafte Operation! Das ist auch dann der Fall, wenn die knöcherne Nasenpyramide – wie in vielen Fällen – gebrochen werden muss.

Als Gründungsmitglied des „Expertenrates Deutscher Nasenchirurgen“ sei auch nachdrücklich auf die nützlichen und uneigennützigen Informationen dieses Expertengremiums verwiesen (http://www.nasenexperten.de).